Jahreslosung 2010

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern
überwinde das Böse mit Gutem. Röm 12,21 (L)
Endlich mal eine klare Anweisung! Na klar, so hat Jesus es mit seinem Leben und Wirken vorgelebt, so sollen wir ihm nachei-fern. Überwinde das Böse mit Gutem - ein schwieriger Auftrag, so wie der, die Feinde zu lieben oder auch die linke Wange hin-zuhalten. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, das klingt nach Auseinandersetzung, da muss ich mich anstrengen. Da ist es nicht mit „üb' immer Treu und Redlichkeit" getan. Überwinde das Böse mit Gutem - wieder wird es anstrengend, nicht nur das Böse abwehren, sondern es selbst mit Gutem überwinden. Spätestens jetzt stellt sich die Frage: Wo beginnt eigentlich das „Böse", und wie sieht „das Gute" aus, das wir entgegenzuset-zen haben?
Eine mögliche Definition wäre es, das Böse mit Gewalt gleich zu setzten, Mord etwa oder Körperverletzung, zumindest aber mit einer vor dem Gesetz strafbaren Handlung. Dann wären die meisten von uns höchstens Opfer, aber niemals Täterinnen. Aber, so schreibt Paulus an die Römer, es besteht Gefahr, dass uns das Böse überwindet, dass es Einfluss auf unser Leben gewinnt. Schon im Kleinen kann es beginnen: Da gibt es über einen Menschen, den wir kennen, übles Gerede - und wir ma-chen mit. Es ist so einfach, es sind doch nur wenige Worte, die werden schon nicht schlimm sein - und schon „hat uns das Bö-se überwunden".
Oder wir sehen weg, wenn, und sei es auch nur in der Nach-barschaft, Unrecht geschieht, es vielleicht Gewalt in der Familie gibt. Wir wollen schließlich keinen Ärger. Bloß nicht einmischen! Und so tragen wir mit dazu bei, dass das Böse siegt. Lieber wegsehen, keine Partei ergreifen. „Das haben wir alles nicht gewusst!", so lautet ein immer noch beliebter Satz in unserem Land.
„Überwinde das Böse mit Gutem." Dazu gehört Mut, da muss ich mich manchmal für andere einmischen. Oder ich verzichte darauf, auf mein Recht zu pochen. Das ist oft nicht leicht - aber es hat auch nichts mit „klein beigeben" zu tun. Es kann gelin-gen, wenn ich das Wohl des anderen im Blick habe, wenn ich suche, was dem Frieden dient. Wenn wir nach Gottes Willen fragen, uns für Gerechtigkeit einsetzen. Wir sind dabei nicht al-lein - wir sind als Christen, als Gemeinschaft von Gott dazu beauftragt und er unterstützt uns da, wo unser Mut und unsere Kräfte nicht ausreichen.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern
überwinde das Böse mit Gutem.
Ein gutes Leitwort für dieses neue Jahr 2011. Wir werden nicht alles hinnehmen, wir werden uns für Gerechtigkeit einsetzen. Wir werden das, was Unrecht ist, beim Namen nennen. Wir werden zusammen für Menschen, die am Rand stehen, einste-hen. Wir werden nicht resignieren, weil Gott uns in diesem Al-lem unterstützt.
AMEN
Die Füße im Feuer
Wild zuckt der Blitz. In fahlem Lichte steht ein Turm.
Der Donner rollt. Ein Reiter kämpft mit seinem Ross,
Springt ab und pocht ans Tor und lärmt. Sein Mantel saust
Im Wind. Er hält den scheuen Fuchs am Zügel fest.
Ein schmales Gitterfenster schimmert goldenhell
Und knarrend öffnet jetzt das Tor ein Edelmann...
- "Ich bin ein Knecht des Königs, als Kurier geschickt
Nach Nîmes. Herbergt mich! Ihr kennt des Königs Rock!"
- "Es stürmt. Mein Gast bist du. Dein Kleid, was kümmert' s mich?
Tritt ein und wärme dich! Ich sorge für dein Tier!"
Der Reiter tritt in einen dunkeln Ahnensaal,
Von eines weiten Herdes Feuer schwach erhellt,
Und je nach seines Flackerns launenhaftem Licht
Droht hier ein Hugenott im Harnisch, dort ein Weib,
Ein stolzes Edelweib aus braunem Ahnenbild ...
Der Reiter wirft sich in den Sessel vor dem Herd
Und starrt in den lebendgen Brand. Er brütet, gafft ...
Leis sträubt sich ihm das Haar. Er kennt den Herd, den Saal ...
Die Flamme zischt. Zwei Füße zucken in der Glut.
Den Abendtisch bestellt die greise Schaffnerin
Mit Linnen blendend weiß. Das Edelmägdlein hilft.
Ein Knabe trug den Krug mit Wein. Der Kinder Blick
Hangt schreckensstarr am Gast und hangt am Herd entsetzt ...
Die Flamme zischt. Zwei Füße zucken in der Glut.
- "Verdammt! Dasselbe Wappen! Dieser selbe Saal!
Drei Jahre sind's ... Auf einer Hugenottenjagd
Ein fein, halsstarrig Weib ... 'Wo steckt der Junker? Sprich!'
Sie schweigt. 'Bekenn!' Sie schweigt. 'Gib ihn heraus!' Sie schweigt.
Ich werde wild. D e r Stolz! Ich zerre das Geschöpf ...
Die nackten Füße pack ich ihr und strecke sie
Tief mitten in die Glut ... 'Gib ihn heraus!'... Sie schweigt...
Sie windet sich ... Sahst du das Wappen nicht am Tor?
Wer hieß dich hier zu Gaste gehen, dummer Narr?
Hat er nur einen Tropfen Bluts, erwürgt er dich."
Eintritt der Edelmann. "Du träumst! Zu Tische, Gast ..."
Da sitzen sie. Die drei in ihrer schwarzen Tracht
Und er. Doch keins der Kinder spricht das Tischgebet.
Ihn starren sie mit aufgerissnen Augen an -
Den Becher füllt und übergießt er, stürzt den Trunk,
Springt auf: "Herr, gebet jetzt mir meine Lagerstatt!
Müd bin ich wie ein Hund!" Ein Diener leuchtet ihm,
Doch auf der Schwelle wirft er einen Blick zurück
Und sieht den Knaben flüstern in des Vaters Ohr ...
Dem Diener folgt er taumelnd in das Turmgemach.
Fest riegelt er die Tür. Er prüft Pistol und Schwert.
Gell pfeift der Sturm. Die Diele bebt. Die Decke stöhnt.
Die Treppe kracht... Dröhnt hier ein Tritt?... Schleicht dort ein Schritt? ...
Ihn täuscht das Ohr. Vorüberwandelt Mitternacht.
Auf seinen Lidern lastet Blei, und schlummernd sinkt
Er auf das Lager. Draußen plätschert Regenflut.
Er träumt. "Gesteh!" Sie schweigt. "Gib ihn heraus!" Sie schweigt.
Er zerrt das Weib. Zwei Füße zucken in der Glut.
Aufsprüht und zischt ein Feuermeer, das ihn verschlingt ...
- "Erwach! Du solltest längst von hinnen sein! Es tagt!"
Durch die Tapetentür in das Gemach gelangt,
Vor seinem Lager steht des Schlosses Herr - ergraut,
Dem gestern dunkelbraun sich noch gekraust das Haar.
Sie reiten durch den Wald. Kein Lüftchen regt sich heut.
Zersplittert liegen Ästetrümmer quer im Pfad.
Die frühsten Vöglein zwitschern, halb im Traume noch.
Friedsel'ge Wolken schwimmen durch die klare Luft,
Als kehrten Engel heim von einer nächt'gen Wacht.
Die dunkeln Schollen atmen kräft'gen Erdgeruch.
Die Ebne öffnet sich. Im Felde geht ein Pflug.
Der Reiter lauert aus den Augenwinkeln: "Herr,
Ihr seid ein kluger Mann und voll Besonnenheit
Und wisst, dass ich dem größten König eigen bin.
Lebt wohl. Auf Nimmerwiedersehn!" Der andre spricht:
"Du sagst's! Dem größten König eigen! Heute ward
Sein Dienst mir schwer ... Gemordet hast du teuflisch mir
Mein Weib! Und lebst! ... Mein ist die Rache, redet Gott."
Conrad Ferdinand Meyer (Erstdruck 1864)
Lieder
EG 417 Lass die Wurzel unsers Handelns Liebe sein
EG 430 Gib Frieden, Herr, gib Frieden
EG 564 Mein Schöpfer, steh mir bei
Gebet
Herrn,
nicht meine Füße, sondern dein Kommen,
nicht meine Hände, sondern deine Freundschaft,
nicht mein Gefühl, sondern dein Mitgefühl,
nicht mein Herz, sondern deine Liebe,
nicht meine Ohren, sondern dein Erhören,
nicht meine Augen, sondern deine Beachtung,
nicht meine Intelligenz, sondern deine Gedanken,
nicht meine Stille, sondern deine Gegenwart,
ich im Namen Jesu Christi.
Amen
Gebet vor einem schwierigen Treffen
Francois Lemrich, Schweiz
Christiane Klages, Wolfenbüttel
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