Die Einladung zum Frauenempfang im Theologischen Zentrum in BS machte neugierig. Am Samstag vor Muttertag, begrüßen Frau Antje Gottwald, Vorsitzende vom Landesverband der Frauenhilfe, und Frau Kirstin Müller, Pfarrerin für Frauenarbeit der Landeskirche, uns Frauen.
Wir sitzen an diesem heißen Frühlingstag im Kreuzgang des Klosters, frischer Wind weht durch die hohen offenen Fenster. Helga und Uwe Steffen aus Flechtorf überraschen mit ungewohnten Klängen von Dudelsack und Gitarre. „Wie lieblich ist der Maien“ passt zu diesem herrlichen Tag.
Frau Kirstin Müller erinnert in ihrer Andacht an den langen Weg zur Frauenordination. Gerade hier in der Brüderngemeinde gab es heftigen Widerstand. Zur Zeit sind in den Räumen des ehemaligen Predigerseminars 32 junge Afghanen untergebracht. Wie die Zeiten sich geändert haben! Weil junge muslimische Männer sich etwas sagen lassen von ihren Müttern, sollten wir als ältere Frauen eine Chance sehen und uns nicht scheuen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und wenn nötig auf Dinge aufmerksam zu machen und Klartext zu reden. In einem Raum zeugen Lebensgeschichten vom Schicksal der Flüchtlinge.
Aus dem „Psalmenleben“* liest Frau Müller den Psalm 23 in einer Fassung aus Südafrika: Mein Gott ist eine junge Enkelin, die singend das schwere Holz auf ihrem Kopf zur Hütte bringt...sie passt auf, tut mir gut, behütet und schützt mich. Das Erleben einer alten Frau, die liebevoll versorgt wird und zur Ruhe kommt. Wir lesen gemeinsamen den Text, der mit Bildern aus dem täglichen Leben Glauben und Vertrauen ausdrückt.
Wir bekräftigen unseren Glauben mit dem Weltgebetstagslied aus Kuba: Wir alle sind Geschwister, die unterwegs sind, Zeugen des Evangeliums, das Frieden bringt allen Menschen und die Traurigen tröstet.
Das Kaffeetrinken im großen Gemeindesaal bietet Gelegenheit zum Kennenlernen und Austauschen von Erfahrungen. Wieder im Kreuzgang versammelt, warten wir gespannt, von den Ahnmüttern Jesu zu hören. Antje Gottwald hat dem Leben der Frauen im Stammbaum Jesu nachgespürt. Sie schlüpft in die Rolle von Tamar, der Witwe, die ihr Recht mit List einfordert, der Dirne Rahab, die einen klaren Kopf behält im Angesicht der Israeliten, die Jericho bestürmen wollen. Sie sieht, dass der Gott dieses Volkes anders und mächtiger ist als die eigenen Götter. In Ruth, der Moabiterin, erleben wir die große Entschlossenheit, dem Gott der Naomi zu folgen. Und die Geschichte von Bathseba, die als Frau des Uria im Stammbaum genannt wird, zeigt, wie das Bekennen von Schuld einen Neuanfang möglich macht.
Großer Beifall für Frau Gottwald. Als Witwe oder Dirne gekleidet, im prächtigen Gewand der Königin, erzählt sie engagiert die Geschichten dieser vier Ahnfrauen Jesu und stellt die Verbindung her von den Problemen damals zu unseren Erfahrungen heute.
Das einfühlsame Zwischenspiel mit Dudelsack und Gitarre von Uwe und Helga Steffen lässt die Geschichten der vier Frauen in uns nachklingen.
In langer Reihe wandern wir dann im Pilgerschritt durch den Innenhof des Kreuzgangs und freuen uns an der Gemeinschaft. Ein Reisesegen bildet den Abschluss dieses sehr gelungenen Frauenempfangs.
* Bärbel Fünfsinn und Carola Kienel: Psalmenleben, Frauen aus allen Kontinenten lesen biblische Psalmen neu.
Die kompletten Geschichten der Ahnmütter Jesu können Sie unter Downloads herunterladen.
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24.05.2016
Kategorie: Landesverband



