Amos 5,24 (L)
Der Prophet Amos aus dem Südreich Juda wird von Gott beauftragt, in das Nordreich Israel zu gehen, um den Menschen Gottes Willen zu verkünden. Zu Zeiten des Propheten herrscht Frieden und Wohlstand, aber auch Ausbeutung. Die Wohlhabenden fühlen sich im Recht. Da tritt Amos auf, kritisiert ihr Verhalten und droht ihnen mit dem Exil. Er prangert auch den scheinbar frommen Kult an, der nicht im Einklang steht mit Recht und Gerechtigkeit im täglichen Leben.
Mit eindringlichen Worten bringt Amos vor, was ihm aufgetragen ist. Gott spricht: „Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“ Recht und Gerechtigkeit sollen nicht wie ein Rinnsal tröpfeln und austrocknen, sondern strömen und überfließen und nie aufhören. Was für ein schönes Bild: strömendes Wasser! So wie es kein Leben ohne Wasser gibt, so darf es kein Leben ohne Recht und Gerechtigkeit geben. Unterdrückung und Armut sollen nicht sein, Gerechtigkeit nicht mit Füßen getreten werden. Das ist Gottes Wille. Aber so ist es nicht! Die Menschen hören nicht auf Gott, der spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben (V. 4 ). Wenn die Menschen auf Gott hören würden, dann lebten nicht einige auf Kosten anderer. Kommt uns das nicht alles bekannt vor?
Amos prangert sorgloses luxuriöses Leben an, und uns fallen dabei vielleicht Reiseziele und der Luxus der heutigen Superreichen ein. Dubai – die Luxusoase in der Wüste, Saint Tropez an der Côte d’Azur und nicht zuletzt Sylt, die Insel der Reichen und Schönen. Zum Shoppen nach New York, Hochseeyachten, Privatflieger und Luxusschlitten. Man kann es sich leisten und gönnt sich was!
Und dann gibt es gleichzeitig Bilder von ausgezehrten Gesichtern, von Plastik-Müll im Ozean, von ölverschmierten Vögeln und von Zeltstädten, wo die versprochene Hilfe nach einem Erdbeben für lange Zeit ausbleibt.
Wie geht es uns damit? Haben wir ein ungutes Gefühl? Die Menschen scheinen jedes Maß verloren zu haben.
Wenn wir Prophet im eigenen Land wären, was würden wir anprangern? Die meisten von uns leben im Wohlstand und viele im Überfluss. Zu viele sind aber unbekümmert und bequem, andere sehen sich bei dem Thema Armut überfordert, die Politik weicht aus. Da muss doch etwas geschehen! Mit gutem Willen und Gottes Hilfe könnte jeder und jede das tun, was dringend nötig ist.
Wir haben die Aufgabe, den Armen und allen Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen und Gottes Gerechtigkeit zu verkünden. Das ist auch uns gesagt. Die nötige Phantasie, Kraft und Geduld erbitten wir von Gott. Beten und Tun gehören zusammen, in dieser Reihenfolge.
Gebet
Guter Gott, die Schere zwischen Arm und Reich ist groß. Wir bitten Dich,
gib uns den Mut, denen ins Gewissen zu reden, die Entscheidungen treffen.
Hilf uns gerecht zu handeln.
Barmherziger Gott, schenke uns die Bereitschaft, deinen Willen
anzunehmen, der uns hilft, ein Leben in Liebe und Fürsorge für andere zu führen.
Gnädiger Gott, schenke uns die Weisheit, das zu suchen und zu finden,
worauf es jetzt und in der Zukunft ankommt. Sei uns nahe und stärke uns.
Amen.
Segen
Es geht ohne Gott in die Dunkelheit,
aber mit ihm gehen wir ins Licht.
Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit,
aber mit ihm fürchten wir uns nicht. (Manfred Siebald)
So segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Nachricht
01.07.2026
Kategorie: Andacht
