Suche

Nachricht

01.03.2026 Kategorie: Andacht

Andacht März 2026 (2)

Da weinte Jesus. Johannes 11,35 (E)

Es ist wohl der kürzeste Vers der Bibel; aber was für ein Bild zeichnet er von Jesus! Jesus weint! Für manch eine von uns wohl schwer vorstellbar. Man fragt sich gleich, wann und warum weint Jesus?

Ich dachte ja erst, dieser Vers wäre aus dem Gethsemane-Bericht, wo Jesus vor seiner Festnahme allein und intensiv betet. Ein Gedanke, der in der Passionszeit wohl naheliegt. Aber gefehlt! Dieser Vers stammt aus dem Bericht über die Auferweckung des Lazarus aus dem Johannesevangelium.

Ausgelöst wurden die Tränen Jesu nicht etwa durch die Trauer über den Tod seines Freundes Lazarus, sondern, weil die beiden Schwestern des Lazarus, Maria und Martha, die Jesus auch sehr nahestanden, so verzweifelt und traurig sind. Jesus ist so voll tiefstem Mitgefühl für die beiden, dass er weinen muss.
Das Bild, das hier mit den zwei kleinen Worten gezeichnet wird, spricht Bände über die unendlich große Liebe und das Mitgefühl für die Menschen.

Was sagt mir dieser Vers?

  1. Jesus war Mensch wie wir! Er kennt Schmerz und Trauer. Daher kann er unseren Schmerz und unsere Trauer nachempfinden bzw. mitempfinden. Er wird von unseren Tränen berührt, weil er uns liebt.
  2. Es ist keine Schande zu weinen, wenn man traurig ist. Es gibt ja Christen, die meinen, als Christ dürfe man nicht weinen, wenn jemand gestorben ist, weil er ja jetzt bei Gott ist. Hier wird deutlich gezeigt, Weinen und Traurigsein ist in Ordnung! Gott wird abwischen alle Tränen.
  3. Auch wir sollten versuchen, uns in andere einzufühlen. „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“, so heißt es im Römerbrief (Röm 12,15). So kann Trost gegeben werden und Zusammengehörigkeit entstehen.

Für das hellenistische Publikum, an das das Johannesevangelium größtenteils gerichtet war, war so ein Verhalten übrigens völlig unvorstellbar, ungöttlich. Die Götter der Griechen waren Götter, die keine Emotionen zeigen durften. Emotionslosigkeit war ein Merkmal ihrer Göttlichkeit. Die Götter waren isoliert, leidenschaftslos und mitleidslos. Wie gut, dass unser Gott lebt, in Beziehung zu uns tritt, mitfühlt und uns liebt. Amen.

Gebet
Lieber Vater im Himmel,
wir danken dir, dass du uns nahe bist und uns kennst,
unsere Trauer und unseren Schmerz mitempfinden kannst.
Es ist tröstlich, dass du so dicht bei uns bist.
Wir wollen versuchen, deinen Trost weiterzugeben. Amen.

Segen
Gott segne dich und behüte dich,
er lasse dich sein Mitgefühl spüren und tröste dich, wenn du traurig bist,
er sei dir nahe auf all deinen Wegen. Amen.

Lieder
EG 585 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt
EG 409 Gott liebt diese Welt
EG 383 Herr, du hast mich angerührt

Beitrag von Almut Lingelbach,Vorsitzende Frauenhilfe Atzum, Lektorin