Johannes 10,10 (E)
Was für eine Zusage! Ein Versprechen, das auf der bedingungslosen Liebe Gottes basiert. Aber wen meint Jesus, wenn er „sie“ sagt und was bedeutet „ein Leben in Fülle“?
Das Johannesevangelium befasst sich im 10. Kapitel mit dem Gleichnis vom Guten Hirten. In diesem Gleichnis erklärt Jesus, dass er der gute Hirte ist, der sein Leben gibt, um seine Schafe vor Dieben und Wölfen zu schützen und zu behüten. Der Hirte kennt seine Schafe ganz genau. Die Schafe erkennen ihren Hirten an der Stimme, sie vertrauen und folgen nur ihm. Mit „sie“ meint Jesus die Menschen, die zu ihm gehören, ihm vertrauen, wie die Schafe ihrem Hirten.
Das bedeutet für mich, dass ich nicht allein bin; ich bin, um das bildlich auszudrücken, ein Schaf in der Herde der Gemeinschaft der Christen, wobei jedes einzelne „Schaf“ für Gott unendlich wertvoll ist. Der Dieb und der böse Wolf symbolisieren meine Ängste, die sehr vielfältig sind; z. B. Ängste vor finanziellen Problemen, um meine Liebsten, Krankheit oder auch Ängste den Klimawandel betreffend, Ängste vor Krieg und Terroranschlägen und Ängste um die Demokratie in Deutschland und in der Welt. Mit Vertrauen auf Gott kann ich mich diesen Ängsten stellen und mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Gott wird bei mir sein und mich auf meinem Lebensweg begleiten und behüten.
Und was bedeutet ein „Leben in Fülle“? Sicher kein Leben in Saus und Braus; keinen materiellen Überfluss, keinen oberflächlichen Reichtum. Jesus meint ein Leben voller Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Güte, Treue, Demut, Mitgefühl, Zuversicht und Ehrlichkeit in der Beziehung zu Gott. Ein erfülltes Leben ist also voll von Dingen, die man mit Geld nicht kaufen kann!
Das erinnert mich an das Projekt „Altes Glas, neues Licht“ der DiakonieStiftung im Braunschweiger Land, das im Jahr 2025 „ins Leben gerufen“ wurde. In diesem Projekt wurden alte Einkochgläser mit verschiedenen ausgestanzten Weihnachts- oder Sommermotiven beklebt und anschließend gesandstrahlt. Beim Sandstrahlen wurden die Gläser milchig-trüb und die beklebten Stellen lichtdurchscheinend. Die fertigen Gläser verkaufte die Diakonie-Stiftung als Windlichter auf dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Der Erlös ging an die Organisation „Brot für die Welt“. Unsere örtliche Frauenhilfsgruppe in Rühen war sofort begeistert, sammelte dafür unzählige alte Einkochgläser und beklebte 48 Gläser mit verschiedenen Motiven. Wir alle waren mit vollem Eifer dabei und freuten uns, an diesem diakonischen Projekt beteiligt zu sein.
Jedes einzelne Windlicht bringt dreifach Freude: Unsere Frauenhilfsgruppe hatte einen schönen Bastelnachmittag, die Käufer können sich an den Windlichtern erfreuen und die Organisation „Brot für die Welt“ kann mit dem Erlös diejenigen unterstützen, die von Hunger, Armut und Ungerechtigkeiten betroffen sind.
Freude, Zuversicht und Hoffnung an unsere Mitmenschen weiterzugeben, das ist das „Leben in Fülle“, das Jesus meint. Schon kleine Dinge und Taten in unserem alltäglichen Leben zum Wohle derer, die unseren Beistand und Hilfe bedürfen, können dazu beitragen. Amen.
Gebet
Gütiger und barmherziger Gott,
zeige uns den Weg, den du für uns vorgesehen hast.
Schenke uns ein Leben in Fülle. Leite uns, damit wir nicht
in Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit verfallen.
Öffne unsere Augen und Herzen und lass uns die Not
um uns herum erkennen.
Gib uns Kraft und Mut, damit wir uns für unsere Mitmenschen
einsetzen und helfen können.
Lass niemanden verzweifeln, sondern schenke Zuversicht und Hoffnung.
Lass uns deine Liebe in die Welt tragen. Amen.
Segen
Es segne und behüte dich der dreieinige Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist,
auf allen deinen Wegen.
Er gebe dir Frieden. Amen.
Lieder
EG 603 Ins Wasser fällt ein Stein“
Freitöne 25 Da wohnt ein Sehnen tief in uns
EG 170 Komm, Herr segne uns
Nachricht
01.08.2026
Kategorie: Andacht
