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01.03.2026 Kategorie: Andacht

Andacht März 2026 (1)

Da weinte Jesus. Johannes 11,35 (E)

„Jesus weinte“ ‒ zwei Worte und zugleich der kürzeste Vers in der Bibel ‒ voller Tiefe und ans Herz gehend.

Was ist der Anlass? Lazarus, der Bruder von Marta und Maria aus Betanien ist schwer erkrankt. Jesus wird gerufen, um seinen geliebten Freund zu heilen. Erst zwei Tage später macht sich Jesus auf den Weg und als er in Betanien ankommt, ist Lazarus gestorben und seit vier Tagen beerdigt. Marta eilt ihm entgegen. Voller Schmerz und Verzweiflung klagt sie Jesus an: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Nun entwickelt sich ein tiefes Glaubensgespräch zwischen Marta und Jesus, in dem Jesus seine wahre Identität und seinen Auftrag verdeutlicht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ Marta bekennt: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll“ (Joh 11,22– 27).

Jesus trifft auf Maria und einige Trauergäste: „Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus …“ (Joh 11,33‒35). Und dann – nach den Tränen – kommt das Wunder. Jesus ruft: „Lazarus, komm heraus!“ – und Lazarus steht auf. Der Tod hat nicht das letzte Wort.

Wollen wir Jesu Tränenvergießen verstehen, hilft ein Blick auf die genaue Übersetzung. Im Neuen Testament gibt es zwei griechische Wörter für „weinte“. Das Wort „klaio“ bedeutet „wehklagen“, „jammern“, „aus tiefer Emotion weinen“. Es sind Tränen, die aus einem gebrochenen Herzen vergossen werden, und war im Israel des ersten Jahrhunderts ein Ausdruck tiefer Trauer. Das Wort „dakruo“ hingegen ist einzigartig im NT und findet sich nur in Joh 11,35. Es ist ein stilles Weinen und sollte eher mit „eine Träne vergießen“ übersetzt werden. Jesus bricht nicht laut in Trauer aus wie die anderen – sein Weinen ist innerlich, tief, leise, persönlich. Er verliert sich nicht im Schmerz, sondern tritt dem Tod entgegen – mit Tränen in den Augen, aber mit Hoffnung im Herzen. Er sieht, wie sehr der Tod seine Freunde verletzt hat. Er spürt, wie zerbrechlich das Leben ist. Doch seine Tränen sind keine Tränen der Verzweiflung – es sind Tränen des Mitfühlens und der Liebe auf dem Weg zum Leben. Jesus ist bei dir. Er weint mit dir. Und er geht mit dir weiter – bis zum Licht.

„Jesus weinte.“
Zwei Worte. Und doch eine ganze Welt.
Ein Gott, der mitfühlt. Ein Gott, der liebt.
Ein Gott, der durch die Tränen hindurch neues Leben schenkt.

Gebet
Herr Jesus, danke, dass du mit uns weinst. Danke, dass du unseren Schmerz
kennst und ihn mitträgst. Hilf uns zu glauben, dass du auch in schweren
Momenten da bist – und dass du Wege zum Leben öffnest, selbst wenn wir
nur Dunkelheit sehen. Amen.

Segen
Gott allen Trostes und aller Verheißung,
segne uns und behüte uns
vom Licht des Tages bis in das Dunkel der Nacht.
Nimm uns an deine Hand,
wenn wir zu stolpern drohen.
Trage uns,
wenn uns die Last auf den Schultern zu schwer wird.
Geleite uns vom Dunkel der Welt in das Licht deiner Verheißung.
Amen.
(Segen aus: Barbara Hennig / Sabine Dreßler / Waltraud Liekefett, Und Mirjam nahm die Pauke, Burckhardthaus-Laetare, 1998, S. 53)

Lieder
EG 116 Er ist erstanden, Halleluja
EG 410 Christus, das Licht der Welt

Beitrag von Barbara Eckert , Geistliche Frauengemeinschaft Kloster Wennigsen