Nach vielen Jahren im Haus Daheim in Bad Harzburg und einigen Jahren im Haus Hessenkopf in Goslar, fanden in diesem Jahr die Weltgebetstagstagungen der Evangelischen Frauenhilfe, Landesverband Braunschweig e.V., erstmals im Huberhaus in Wernigerode statt.
Die CVJM – Familienferienstätte bot den Teilnehmerinnen ein ansprechendes Ambiente, helle, freundliche, barrierefrei erreichbare Zimmer, eine gute Versorgung durch engagiertes Personal und – nicht unwichtig – kurze Wege. Die Mischung aus historischem Hauptgebäude und neuerem Anbau, dem großen Steinhausensaal mit einem herrlichen Wandgemälde und dem funktionalen, modernen Speisesaal, dem Huberzimmer, eingerichtet wie zu Zeiten des Namensgebers aus dem 19. Jahrhundert, und dem Spielzimmer für Kleinkinder, schaffte eine ganz eigene Stimmung.
Wieder waren beide Tagungen nahezu ausgebucht und kurzfristig frei werdende Plätze konnten durch Nachrückende neu besetzt werden. Etwa 60 Frauen ließen sich mitnehmen auf eine Reise nach Kuba – dem Weltgebetstagsland 2016.
Doch bevor es losging, hieß es Wiedersehen zu feiern und „Neulinge" zu begrüßen. Bei einem gemütlichen Kaffeetrinken wurden Bekanntschaften aufgefrischt und Neuigkeiten ausgetauscht, neue Kontakte geknüpft und viel gelacht. Nach einer kurzen Einweisung durch das Team – in das Haus und in den Ablauf – trafen sich die Frauen im Plenum, um eine kurze „Reiseinformation" zu bekommen.
Wo liegt Kuba, was ist das Besondere an diesem Staat, dieser Insel, wie geht es den Menschen dort, speziell den Frauen und Kindern? Diese Fragen wurden angerissen und dann im Laufe der Tagung vertieft. Der Fokus lag speziell auf den Widersprüchlichkeiten der kubanischen Gesellschaft. Deren Wurzeln reichen bis in die Kolonialzeit zurück und die Geschichte Kubas ist geprägt durch Einflüsse aus drei Kontinenten. Im vorigen Jahrhundert wurde ein Staat gegründet, der sich selbst als „Sozialismus mit menschlichem Antlitz" bezeichnet. Über Anspruch und Wirklichkeit informierte das Team ausführlich und lud die Frauen zu Diskussionen ein. Auch die Frage, welchen Einfluss das 50 Jahre andauernde Embargo der USA hatte und wie es jetzt nach der Öffnung des Staates nach außen und der Aufhebung des Embargos weiter gehen soll, welche Richtung die Regierung einschlagen wird, wurde viel gesprochen. Der Einfluss der Kirchen wächst und durch eine Verfassungsänderung wurde aus dem atheistischen Kuba ein laizistischer Staat. So können die Menschen dort wieder frei ihren Glauben leben und sich politisch engagieren. Genau darum geht es u. a. auch bei den Projekten, die das deutsche Weltgebetstagskommitee unterstützt.
Organisationen, die sich um alte Menschen kümmern, die sich für – die in Kuba gesetzlich garantierte - Gendergerechtigkeit einsetzen und die sich für die Enttabuisierung von familiärer Gewalt und Sexualität bemühen. Durch die Wahl des Mottos „Nehmt Kinder auf und ihr nehmt mich auf", sowie die der im Gottesdienst vorkommenden Bibelstellen, machen die kubanischen Frauen darauf aufmerksam, dass jede Generation in einer Gesellschaft wichtig ist. Aber auch darauf, dass nur durch friedliches Miteinander eine gerechtere Welt aufgebaut werden kann.
Auf der Tagung kamen aber auch Spaß und Freude nicht zu kurz. Die Frauen sangen, tanzten und bastelten Schmetterlingsjasmine und Platzsets mit der kubanischen Flagge.
Am Länderabend, der traditionell am zweiten Abend stattfindet, gab es einen Wettbewerb. Zunächst aber nahmen die Teilnehmerinnen ein echtes kubanisches Festessen ein, gezaubert von der Küchencrew des Huberhauses. Die Teilnehmerinnen maßen sich in einer Tanz- und Diskussionsrunde, einem Dominospiel, einer Sitzchoreografie zum Lied „Guantanamera" – mit mal mehr, mal weniger Körpereinsatz, dem Basteln eines Fahrrades aus Kupferdraht – in Kuba muss man immer improvisieren und einem Ballspiel aus der Karibik. Den Abschluss bildete ein Märchen über die Wichtigkeit der Neugier, der Liebe und den Problemen des Erwachsenwerdens. Der von den Teilnehmerinnen unter Anleitung selbst gestaltete Weltgebetstagsgottesdienst am dritten Tag war Abschluss und Höhepunkt der Tagungen zugleich.
Allen Teamerinnen sei an dieser Stelle für ihren unermüdlichen Einsatz und ihr großes Engagement gedankt!





