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01.04.2026 Kategorie: Andacht

Andacht April 2026

Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast...

Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! Johannes 20,29 (L)

Nicht sehen und doch glauben. Das klingt in mir nach, wenn ich die Losung für diesen Monat bedenke.

Eine Frau fällt mir ein. Sie feiert unseren Gottesdienst im AltenPflegHeim mit. Nach der Predigt verteile ich kleine aus Papier gefaltete Vögel. Als ich vor ihr stehe, registriere ich, dass wir nicht im Blickkontakt sind. Sie kann nicht sehen. Vorsichtig nehme ich ihre linke Hand und lege den Vogel hinein. Das begleite ich mit Worten: „Ich möchte Ihnen gerne etwas in ihre Hand geben. Es ist ganz klein und leicht. Ein Vogel aus Papier.“ Dann nehme ich vorsichtig ihre rechte Hand und führe sie erst zum Schnabel und dann zu den Flügeln und erzähle, was da ist. Das dauert natürlich einen Moment. Ganz still ist es um uns. Alle spüren, hier ist besondere Aufmerksamkeit nötig. Und Zeit. Und ein inniger Kontakt. Die Frau lächelt, als ich weitergehe. Den Vogel birgt sie in ihren Händen.

Nicht sehen – und doch wahrnehmen. Etwas im wahrsten Wortsinn „begreifen“. Diese Erfahrung teilen wir in diesem Moment. Und das Glück, dass das möglich ist.

Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Sie kennen vielleicht die Geschichte, aus der diese Worte stammen: Jesus ist als Auferstandener bei seinen Jüngern gewesen. Und Thomas war nicht dabei. Natürlich erzählen ihm die Anderen von dem, was sie erlebt haben. Thomas ist ‒ so stelle ich es mir vor – unsicher und vielleicht auch etwas neidisch. Er kann nicht glauben, was die Anderen erzählen. Dann kommt Jesus erneut zu ihnen. Er lädt Thomas ein, seine Hände auf seine Wundmale zu legen. Zu begreifen, dass er wirklich da ist. Er lässt Thomas dicht an sich heran, nimmt sich Zeit für diesen besonderen Kontakt. Das ist großzügig von Jesus. Ja, fast liebevoll.

Und dann diese Worte: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Das klingt fast nach einem Vorwurf, oder? Schade. Heute hören wir diese Worte in einer anderen Situation als die Jünger. Wir haben keine Chance, Jesus leibhaftig zu sehen, ihn zu berühren. Und doch glauben wir, dass er lebt. Und da ist. Das ist möglich, weil die Bibel von ihm erzählt. Weil wir einander erzählen, miteinander bekennen, dass Gott da ist. Weil wir berührt werden von seinem Geist.

Wenn uns die Bibel ins Herz spricht. Wenn uns andere von ihrem Glauben erzählen. Wenn wir Lieder singen, die uns stärken. Wenn wir Gottesdienst feiern und Abendmahl – dann kann es wahr werden, was Jesus sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Gebet
Großer Gott,
du bist nicht zu fassen. Wir können dich nicht sehen, hören,
riechen, schmecken oder leibhaftig fühlen.
Du gehst über all unsere Sinne hinaus.
Und doch bist du da. Wir glauben an dich. Wir beten zu dir.
Sei bei uns heute und hier, wenn wir unsere Zeit,
wenn wir unser Leben und unseren Glauben teilen.
Lege uns das Vertrauen in dich in unser Herz.
Lass uns in deinem Sinn handeln. Dir zur Ehre.
Unseren Nächsten zum Wohl. Unserer Welt zum Frieden.
Amen.

Segen
Gott sei in dir in seiner Kraft, in seiner Freude.
Gott behüte dich vor Unheil und vor Verzweiflung.
Gott weise dir einen guten Weg.
So segne dich Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Lieder
EG 165,1.2.6-8 Gott ist gegenwärtig
EG 564 Wo zwei oder drei

Beitrag von Ulrike Baehr-Zielke, Pfarrerin, Grotjahn-Stiftung Schladen