Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib! Hebräer 13,3 (E)
Im Brief an die Hebräer mahnt der Verfasser, ein griechisch gebildeter und von paulinischen Gedanken beeinflusster Mann, am christlichen Leben festzuhalten und nach den Regeln der Christen zu leben. „Denkt an die Gefangenen und die Misshandelten“ ‒ damit sind zur damaligen Zeit die Menschen gemeint, die wegen ihres christlichen Glaubens eingekerkert sind und auch gefoltert werden. Und da jeden Christen dieses Schicksal auch ereilen kann, ist dieser Aufruf nicht ungefährlich.
Heute geht es wohl eher um die Mitmenschen, die am Rande unserer Gesellschaft stehen und unsere Hilfe brauchen. Es geht um Menschen, die gefangen sind auch ohne Gefängnis; in ihren Gedanken, in ihren Lebenssituationen oder in alten Strukturen. Heute geht es um Menschen, die zu uns kommen, weil sie in ihrer Heimat verfolgt werden, mit Gefangenschaft und Folter bedroht sind und hier auf Hilfe hoffen.
Diese Worte aus dem Hebräerbrief meinen mehr als dass wir Bedauern bekunden, und sie wollen mehr als unsere Gebete. Christliches Leben bedeutet, aktiv zu helfen und zu unterstützen. Das kann ein Lächeln sein, gute Worte und ein Gespräch oder tatkräftiges Anpacken. Nicht immer ist es leicht, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Immer wieder scheitern wir. Deshalb ist diese Ermahnung auch heute noch wichtig, weil sie uns an die grundlegenden Aspekte christlichen Verhaltens erinnert. Mit der Einhaltung und Befolgung unserer christlichen Regeln und unserer christlichen Ethik können wir etwas verändern. Wir alle müssen an uns arbeiten, damit uns das gelingt. Es ist nicht leicht, aber auch nicht unmöglich.
Lasst uns versuchen, liebevolle und empathische Menschen zu sein! Öffnen wir unsere Arme und unsere Herzen!
Gebet
Gnädiger Gott, öffne unsere Herzen für die Nöte unserer Mitmenschen und
lass uns aufmerksam werden auf die, die unsere Hilfe brauchen. Gib uns die
Kraft auf sie zuzugehen. Gib uns den Mut, über unsere Schatten zu springen
und Hilfe anzubieten. Amen.
Segen
Gott gebe uns Augen, die sehen, was unser Gegenüber bewegt.
Gott gebe uns Ohren, die zuhören können.
Gott gebe uns Hände, die helfend zupacken.
Gott gebe uns Füße, die die Wege mit anderen gehen können.
Gott, segne uns, damit wir Segen für andere sein können. Amen.
Lieder
EG 420 Brich mit dem Hungrigen dein Brot
EG 604 Wo ein Mensch Vertrauen gibt
Peter Alexander: Hier ist ein Mensch
